Symbolbild für klare Muster und Regeln durch Normung

UX Design und ISO Norm. Wie passt das zusammen?

 

Das Themenfeld um User Experience Design ist ständig im Wandel. Durch die stetige Entwicklung und Innovation ist das Handwerk und die Prozesse oft weich bis nicht definiert. Zwar prägen methodisches und systematisches Vorgehen die Handlung, der Weg ist dabei aber nicht  eindeutig vorgezeichnet. UX und Development Teams planen entlang von Projektzielen und verfügbaren Ressourcen.

Normung ist demgegenüber ein Prozess der Parametrisierung  und des Konsensierens.  Das Ergebnis sind klare Regeln,  vergleichbare Tests und Zertifizierungen. Es kann der Eindruck entstehen, UX Design und Normung liesen sich schwer miteinander vereinbaren.  Jedoch bietet die Iso Norm Chancen und Vorteile, die einen klaren und reibungsfreien Designprozess unterstützen. 

Duden.de

Norm, die

1. a) allgemein anerkannte, als verbindlich geltende Regel für das Zusammenleben der Menschen

1. b) Rechtsnorm

1. c) (in Wirtschaft, Industrie, Technik, Wissenschaft) Vorschrift, Regel, Richtlinien o. Ä. für die Herstellung von Produkten, die Durchführung von Verfahren, die Anwendung von Fachtermini o. Ä.

Die ISO 9241

Was beinhaltet die mit UX in Zusammenhang stehende Norm? Die ISO 9241 ist keine reine User Experience Design Norm. Sie trägt den Titel “Ergonomie der Mensch-System-Interaktion”.  Es gibt keine speziell für User Experience Design entwickelte Norm.   Die ISO 9241 schließt jedoch viele Ziele ein, die  User Experience Design verfolgt:

ISO 9241-11 Gebrauchstauglichkeit: Begriffe und Konzepte

ISO 9241-110 Interaktionsprinzipien

ISO 9241-112 Grundsätze der Informationsdarstellung

ISO 9241-1xx Software

ISO 9241-2xx Mensch-System-Interaktion

ISO 9241-3xx / 4xx Hardware

ISO 9241-5xx Umgebung

ISO 9241-6xx Taktile und haptische Interaktion

Auch außerhalb der ISO 9241 wird die Gebrauchstauglichkeit genormt. Beispielsweise werden die besonderen Anforderungen im medizinischen Sektor durch  eine eigene Norm gesichert:

ISO 62366-1 Gebrauchstauglichkeit für medizinische Produkte

 

Bedeutung für die Gestaltung

Im Verlauf einer Karriere, angefangen vom Studium und der Ausbildung über die Zusammenarbeit mit Kollegen und Kunden, prägt jeder Gestalter seinen persönlichen UX Dialekt aus. Bei gleichen Methoden entwickelt sich so eine unterschiedliche Sprache. Dann ist von einer UX Map, einer User Journey Map oder einem Experience Analysis Canvas die Rede.   Im besten Fall ist damit das gleiche Artefakt gemeint, welches uns helfen soll, die Nutzungserfahrung zu analysieren und zu visualisieren. Für unternehmensübergreifenden und interdisziplinären Erfolg strategischer Gestaltung  ist ein einheitliches und gemeinsames Vokabular notwendig.  Eine gemeinsame Sprache ist essentiell und schafft Vertrauen. Dafür bietet die ISO 9241 ein Fundament.

Aktivitäten der menschzentrierte Gestaltung nach ISO 9241-210

Die Norm schreibt keinen starren Prozess vor. Sie  ordnet Aktivitäten der menschzentrierten Gestaltung in Tätigkeiten, die in den individuellen Produktentwicklungsprozess eingeordnet werden können.

 

  1. Planung des menschzentrierten Gestaltungsprozesses
  2. Analyse: Verstehen und spezifizieren des Nutzungskontextes
  3. Spezifizieren der Nutzungsanforderungen
  4. Erzeugen von Gestaltungslösungen, um Nutzungsanforderungen zu erfüllen
  5. Evaluieren des Systems gegen Nutzungsanforderungen + Iteration
  6. Gestaltungslösung erfüllt Nutzungsanforderungen
Grafik Menschnzentrierter Gestaltungsprozess nach ISO 9421-210

Die Vorteile

Die Norm ist eine Vereinbarung, auf welche Art und Weise etwas getan wird. Dabei kann es sich um Produktentwicklung, Prozessverwaltung, Bereitstellung von Dienstleistungen oder Materialauslieferung handeln. Normen werden von Unternehmen als wertvolle Unterstützung wahrgenommen. 

Normung bietet eine Basis für Menschen mit gemeinsamen Erwartungen an ein Produkt oder eine Dienstleistung.

 

Vorteil der gemeinsame Sprache

Die ISO Norm hilft uns dabei eine gemeinsame Sprache zu sprechen und hilft somit Missverständnissen vorzubeugen.

 

Vorteil durch gemeinsames Grundverständnis 

Das Verständnis welche Methode in welchen Prozessschritt des menschzentrierten Designs gehört ist sehr sinnvoll. Designer passen Methoden immer den Umständen an. Das ist auch gut so –  es hilft jedoch eine gemeinsame Ausgangsbasis zu haben.

 

Vorteil durch mehr Akzeptanz im Unternehmen

In Unternehmen mit etablierten “historisch gewachsenen” Prozessen, kann es schwer sein einen meschzentrierten Gestaltungsprozess zu implementieren. Die ISO Norm hilft eine Argumentationsgrundlage  für neue Herangehensweisen und Prozesse zu schaffen. Der Fokus auf den Nutzer und die klare Trennung der Nutzungsanforderungen von organisatorischen und Marktanforderungen sind Augenöffner für Entscheider.

Persönliches Fazit

Dem Thema stand ich zunächst kritisch gegenüber. Ich habe mich gefragt, warum alles verklausuliert sein muss (damit ist primär die Sprache  der Norm gemeint). Können wir nicht einfach unsere Methoden im Gestaltungsprozesses anwenden und es damit belassen?

Nach einiger Arbeit mit der Norm liegen die Vorteile jedoch klar auf der Hand. In der Tätigkeit als Gestalter wird man nicht eingeschränkt. Die Argumente  der Norm helfen,  meine Arbeit schneller zu etablieren und vereinfachen durch mehr Klarheit und Präzision den Austausch mit anderen Designern und Disziplinen.

Und wie machen wir das jetzt?

Als UX Agentur helfen wir euch gerne bei allen Fragen rund um den menschzentrierten Gestaltungsprozess. Braucht ihr Beratung oder wollt ein Projekt gemeinsam durchführen? Meldet euch bei uns. Wenn ihr nicht genau wisst, was ihr braucht, finden wir es gemeinsam raus.